Ich wollte eigentlich noch einen schicken Carretera Austral Sticker haben und habe mich heute morgen, da es später über die Grenze nach Argenitien gehen sollte, nochmal auf die Suche begeben. Leider hatte der einzige Laden im Ort, bei dem ich sie gesehen habe, noch bis 15 Uhr geschlossen. Deshalb bin ich nochmal ins Zentrum gefahren, in der Hoffnung einen kleinen Krämerladen oder Kiosk zu finden, der sie vielleicht doch noch hat. Aber vergebens…

Danach dann also los in Richtung Chile Chico beziehungsweise zum Grenzübergang nach Argentinien. Das Wetter war anfangs leider wieder nicht allzu vielversprechend.

Nach guten 15 – 20km kam ich dann an eine Straßensperrung wegen Sprengarbeiten beim Ausbau der Straße. Wartezeit: ca. 3h. Damit hätte ich es aber nicht rechtzeitig bis zur Grenzschließung geschafft. Als Alternative schlug mir der Aufpasser an der Sperre die kleine Fähre 10km zurück über den Río Bravo und dann gute 15km etwas anspruchsvollere Schotterpiste zurück auf die Ruta 7 hinter der Baustelle. Also dorthin und mit perfektem Timing kurz nach Beginn der Mittagspause dort angekommen. Aber so war es immerhin nur noch eine Stunde warten, in der ich mich gut mit einer schweizer Reisegruppe unterhalten konnte.
Die Fähre selbst war ziemlich “abenteuerlich”. Es passen nur zwei Autos darauf. Mich und einen Argentinier mit seinem Motorrad haben sie aber gleich auf der ersten Überfahrt hinten zur Hälfte auf der Auffahrrampe ohne Sperre mitfahren lassen. Wir haben uns beide gegenseitig mit leichter Aufregung angeblickt, da der Fluss eine wirklich starke Strömung hatte.




Zurück auf der Ruta 7 kam nun eigentlich die nächste Chance auf den “Confluencia” Aussichtspunkt. Aber der Regen hatte eher zugelegt als abgenommen und die Zeit drückte, habe ich nur von der Straße einen kurzen Blick darauf geworfen. Zumindest vermutete ich, dass es das war. Die vermeintliche Zufahrt war durch ein geschlossenes Tor blockiert. Naja, vielleicht ein ander’n Mal. 😉
Kurz vorm und entlang Lago General Carreira klarte das Wetter >ein wenig< auf, sodass auch wieder etwas Fernsicht möglich war:

Trotzdem blieb das Wetter bis kurz vor Chile Chico bescheiden und es gab noch so einige weitere Baustellen mit längeren (~15min) Wartezeiten. Schade, denn eigentlich hatte ich gelesen, dass es grandiose Aussichten entlang des Weges geben sollte. Von diesem war zum Ende hin aber doch noch etwas zu sehen.






Dann gab es plötzlich eine komplette Veränderung der Landschaft und das bisherige grün wich eher karger Steppenlandschaft mit Felskulissen, wie man sie gut aus amerikanischen Western kennt.



Links tauchte nun “plötzlich” eine Lagune auf – die “Laguna Verde”. Sehr schön anzusehen und sogar mit einem Aussichtspunkt beglückt.




Weiter ging es entlang karger Landschaft bis zu einem Aussichtspunkt oberhalb von Chile Chico.









Dort oben gab es dann auch den Erstkontakt mit dem berühmten patagonischen Wind. Der sollte mich nun noch die nächsten paar Tage begleiten…
Beim Aussichtspunkt traf ich auch zunächst ein älteres deutsches Ehepaar, das mich gleich ansprach mit “von Pinneberg hierher ist es aber ein gutes Stück!”. Nachdem wir uns wieder getrennt hatten, kam direkt eine junge Dame aus Lüneburg auf mich zu und fragte mich ein wenig aus, wie ich das mit Verschiffen gemacht hatte, und wir tauschten etwas Reiseberichte aus. Sie selbst waren mit dem Bus und in der umgekehrten Richtung unterwegs.
Jetzt wurde es aber auch schon langsam spät um den Grenzübergang noch rechtzeitig zu erreichen. Durch Chile Chico selbst bin ich nur direkt durchgefahren, der Ort sah aber schön geschmückt und einladend aus.
Die Grenze hatte dann doch länger als gedacht geöffnet (19:45 statt 19 Uhr) und ich konnte relativ entspannt passieren. Auf chilenischer Seite war es nur ein kurzes Pass und PDI-Ticket (Kriminalpolizei – erhält jeder Tourist bei Einreise) vorzeigen bzw. abgeben, danach zum Zollschalter, das Temporary Import Permit (TIP) abgeben. Motorrad wurde gar nicht angeschaut/kontrolliert.
Dann der eigentliche Grenzübertritt:

Auf argentinischer Seite das gleiche Prozedere, Pass vorzeigen, danach zum Zollschalter mit dem Fahrzeugschein und neues TIP erhalten. Beim Check dann zwei Fehler im TIP entdeckt, also nochmal hin und ein neues ausstellen lassen.
Los Antiguous als erster Ort direkt hinter der Grenze war dann leider deutlich weniger einladend als Chile Chico. Hier hatte ich mich für zwei Nächte eingebucht, um mich nach den langen Ritten der letzten Tage etwas zu entspannen, bevor es auf die weiteren langen Etappen der “legendären” Ruta Nacional 40 geht. Den freien Tag wollte ich auch etwas nutzen, um mir eine SIM-Karte, etwas Geld usw. zu besorgen, um startklar für Argentinien zu sein. Im Voraus hatte ich mir nur für 3 Tage eine eSIM gekauft. Hätte ich das gewusst, wäre ich vielleicht doch lieber den freien Tag in Chile Chico geblieben.
Naja, dafür gab es dort ein wirklich leckeres und ultra-billiges Grill-Restaurant. Ein Liter hausgemachte Limonade plus dieses feine Gericht mit Brot und drei verschiedenene Dips als Appetizer für zusammen gerade mal 14 Euro.
