Der Titel lässt schon wildes vermuten und so war es leider auch… Eigentlich wollte ich heute wieder etwas Strecke nach Norden machen und bis Chos Malal kommen – am Ende sind es nur wenige Kilometer geworden.
Durch eine Unaufmerksamkeit meinerseits bin ich am Ortsausgang von San Martín de los Andes mit 10 – 15 km/h Restgeschwindigkeit hinten auf einen SUV geprallt, der wegen des vorausfahrenden Verkehrs gestoppt hatte. Ich selbst habe mir nur etwas das rechte Schienbein geprellt, aber das Motorrad hat seine Knautschzone voll ausgenutzt:




Die Polizei war schon zur Stelle bevor wir überhaupt das Motorrad wieder aufrichten konnten und ich hatte richtig Glück, dass das Opfer des Unfalls absolut hilfsbereit war und gutes Englisch und sogar etwas Deutsch sprach. So konnte dieser alles mit der Polizei für mich dolmetschen und das Prozedere lief recht reibungslos ab. Es gab nur einige Diskussionen wohin nun mit mir und der Maschine. Beim Schrauber in San Martín rief das Opfer für mich an und fragte nach der Hilfsmöglichkeit, die Werkstatt ist aber bis Mitte Januar geschlossen. Da es sich um gebrochene und verbogene Aluminiumteile handelt, ist zudem wohl nur Ersatz möglich, diesen kann am besten die Fachwerkstatt besorgen. Wie meine Recherchen von gestern gezeigt haben, ist die nächste in Neuquén, ca. 350km von hier – allgemein ist dort wesentlich mehr Infrastruktur als hier in den Bergen.
Die Polizisten haben einen Abschlepper gerufen und diesen auch gefragt, ob er mich direkt nach Neuquén bringen kann. Das sei möglich, sie würden aber 1000 USD dafür haben wollen… Nunja, in der Not wird natürlich zugelangt und wirkliche Alternative hatte ich nicht. Das Opfer rief dann sogar noch für mich bei der BMW Werkstatt in Neuquén an, um mich anzukündigen. Sie warnten aber schon einmal vor, dass es 20 – 60 Tage dauern kann, die Teile zu importieren, wenn diese in Südamerika nicht vorrätig sein sollten. Außerdem habe die Werkstattannahme nur bis 18 Uhr geöffnet (es war nun schon ca. 11 Uhr), wir sollten uns beeilen.
Zunächst kam der Abschlepper auch mit einem richtigen Abschlepp-LKW, die Ladungssicherung war etwas abenteuerlich, mit der schlechten Rest-Integrität des Motorrads im Frontbereich aber auch nicht ganz leicht. So kam es dann, dass auf dem Weg zum Haus des Abschleppers über Stock und Stein die Kiste auf der Ladefläche wieder umgekippt ist.
Dort angekommen, wollten sie das Motorrad auf einen Pick-up umladen, haben aber gemerkt, dass das nicht wirklich gut klappt, wenn es sich nur noch rückwärts schieben lässt. Die Alternative war dann das Umladen in einen Pferdehänger, der vom Pick-up gezogen wird:

Nachdem wir dann noch eine ganze Weile versucht hatten, eine Auslandsüberweisung auf eines ihrer Konten zu realisieren, und das geschafft war, ging es dann gegen 13 Uhr los in Richtung Neuquén.
Mit dem patagonischen Gegenwind, dem Hänger im Schlepptau und sowieso als Pick-up schluckte der fast brandneue VW Amarok gute 25l auf 100km. Für die ca. 350km brauchten wir mit Tankstopp trotz zumeist schneller Fahrt und einigem Gependel des Hängers fast 6 Stunden und waren damit schon hinter der Annahmefrist und Öffnungszeit der Werkstatt.
Glücklicherweise liefen die meisten Angestellten aber noch herum und waren gerade dabei Schluss zu machen. Als sie den Hänger sahen, kamen sie direkt heraus und packten mit an, um die Maschine in den abschließbaren Vorraum für die Abgabe und Abholung zu verfrachten. Eine nette Dame, die dort ab und an tätig ist, sprach sogar Englisch, bot mir noch etwas zu trinken an und hat schon einmal meine Daten aufgenommen. Wir haben alles weitere dann auf morgen früh, 9:30 Uhr, wenn die Werkstatt wieder öffnet vertagt. Die Abschlepper haben mich und mein Gepäck im Anschluss noch zu einem Hotel gebracht, das ich während der Fahrt gebucht hatte, ehe wir uns verabschiedeten. Ich war etwas überrascht, als diese völlig begeistert von Google Maps und elektronischer Navigation im Allgemeinen waren. Das kannten sie scheinbar gar nicht…



Am nächsten Morgen ging ich also direkt zur Öffnung in die Werkstatt und wir kommunizierten etwas holprig per Google Translate. Sie sagten mir aber schon, dass ich wohl Glück hätte und der Rahmen und die Gabelholme rein äußerlich in Ordnung zu sein scheinen, sie werden sie aber gleich mal in die Werkstatt holen und die Gabel zerlegen, um genau zu schauen. In der Zwischenzeit war die Dame von gestern wiedergekommen und bot mir an, an einer Art Biker-Frühstück im Verkaufsraum teilzunehmen. Wirklich mitreden konnte ich nicht, aber es gab leckere Croissants und Tee.
Nach dem Zerlegen haben sie mir dann einmal den Schaden gezeigt, aber mit einem Daumen hoch auf Felge, Gabelholme und Rahmen gezeigt.


Sie sagten mir allerdings im Anschluss das Gleiche wie dem Opfer am Telefon, die Teile sind nicht auf Lager, sie müssten sie wohl aus Deutschland kommen lassen, was über den BMW Vertriebskanal 20 bis 60 Tage dauert. Ich hatte vorher bereits geschaut, was unsere üblichen Online-Händler melden und aufrufen: ca. 800 Euro für die unbedingt erforderlichen Ersatzteile und 3-4 Tage Lieferzeit. Sie boten dann noch Expressbestellung an, was aber deutlich teurer sein sollte und mich nur näher an die 20 als an 60 Tage bringen würde. Ich fragte, ob ich die Teile im Zweifel selbst per Express importieren könnte. So hätte ich wenigstens Tracking und der Versand würde vermutlich schneller vonstatten gehen. Dies wäre für sie in Ordnung. Sie wollen aber auch mal schauen, ob sie die Teile im unmittelbaren Ausland oder in gebraucht auftreiben könnten.
Am Montag (29.12.) ging ich dann wieder zur Werkstatt und sie teilten mir mit, dass die Teile weder in “benachbarten” Werkstätten in Argentinien, noch in Chile oder Paraguay verfügbar seien. Sie wüssten aber jemanden mit dem gleichen Motorrad mit Motorschaden, der die Teile vielleicht verkaufen würde. Sie haben ihn angefragt und würden sich bei mir melden. Das geschah an diesem Tag aber nicht mehr.
Am Dienstag (30.12.) bin ich also wieder hin, leider gab es keine Neuigkeiten. Ich habe mir eine Liste der benötigten Ersatzteile geben lassen und diese am Abend in Deutschland online bestellt – im Zweifel lässt sich diese ja noch Widerrufen innerhalb von 14 Tagen, aber so sind die Teile schon einmal auf dem Weg. Als Preisschätzung bei Bestellung über die Werkstatt nannten sie mir 4.250.000 Pesos (ca. 2500 Euro, davon ca. 200 Euro Arbeitslohn) – ziemlich absurd.
Wie die Recherche gezeigt hat, ist es allerdings gar nicht möglich als Ausländer in Argentinien ein zollpflichtiges Paket zu empfangen. Und der Zoll hier hat es auch preislich in sich und die deutsche Mehrwertsteuer lässt sich als Privatmensch auch nicht rückerstatten und muss im Zollpreis angegeben werden, es muss also argentinische Steuer und Zoll auf die deutsche Mehrwertsteuer bezahlt werden – toll!
Die nächsten Tage, solange die Teile noch in Deutschland auf dem Weg waren, war nun also meine Aufgabe, einen Weg zu finden, hier ein Paket empfangen zu können. Der DHL Paketshop hier im Ort bestätigte meine Recherche, dass dies nur mit argentinischer Steuernummer geht. Als Alternative wäre ein Empfang in Chile möglich, dort wird das ganze weniger restriktiv gehandhabt und der Zoll fällt deutlich geringer aus – ein Schmuggel über die Grenze nach Argentinien (ich will ja eh nur temporär importieren ;-)) sollte erfahrungsgemäß kein Problem sein. Da ich den Zeitpunkt der Ankunft nicht genau vorhersagen kann und keine Adresse in Chile habe, wäre ein Empfang in einem DHL Pick-Up Point / Paketshop natürlich eine gute Alternative. Der nächste davon ist allerdings an der Pazifikküste. Ich habe 5 verschiedene Shops angeschrieben, um zu erfahren wie ich ein Paket hierzu korrekt adressiere. Es haben auch alle geantwortet – sobald sie allerdings merkten, dass ich die Paketmarke inklusive aller Zollformalitäten nicht über sie kaufen wollte, war es dann mit dem Support auch sofort zu Ende.
Zwischenzeitlich hatte die Werkstatt noch eine ganz gut erhaltene, gebrauchte, obere Gabelbrücke auftreiben können, sodass ich den Zollwert gut halbieren konnte. Die untere war allerdings nicht zu finden…
Am Ende (Donnerstag, 08.01.) hat sich dann netterweise einer der Rezeptionisten meines Hotels hier in Neuquén bereiterklärt, das Paket in seinem Namen für mich hier im Hotel zu empfangen.
Wegen der Feiertage (Neujahr, Heilige Drei Könige in Bayern) und der Witterung (Winter und so…) in Deutschland kam das Paket dann bei Bestellung am 30.12. leider erst am Samstag, 10.01., in Deutschland an seinem Ziel an. Für den gleichen Tag hatte ich mir am Donnerstag Abend als Zeitvertreib ein Flugticket nach Puerto Iguazú gebucht, da DHL die Zustellung für Freitag angekündigt hatte und der Versand nach Argentinien weitere 8 Tage dauern sollte. Am Freitag Abend kontaktiere mich auch mein Vorgesetzter und teilte mir mit, dass “die Firma Sehnsucht nach mir” hätte, ich bat für Montag ein Gespräch an. Mehr dazu und zum Kurztrip nach Iguazú in weiteren Blog-Einträgen.
Zwischenzeitlich bin ich in Neuquén ein wenig umhergewandert. Die Stadt hat über 200.000 Einwohner ist aber insgesamt wenig touristisch und liegt mehr oder weniger mitten in der patagonischen Wüste. Die Temperaturen lagen jeden Tag über 30°C, kaum Wolken am Himmel. Es gibt ein kleines Observatorium, ein Kunstmuseum, einen größeren Stadtpark, einen geschmückten Boulevard, eine Shopping-Mall und eine Promenade am Flussufer. Das Spazieren macht aber aufgrund der privaten, sich ständig ändernden Fußwege nicht wirklich Freude. Wer mit deutscher Gewohnheit recht unaufmerksam beim Umherblicken vor sich her trabt, stolpert ständig. Daher habe ich bislang noch nicht alles aufgesucht. 😉
Naja, ein paar erste Eindrücke habe ich für euch:









Es zog dann doch einmal ein Gewitter durch und brachte für den nächsten Tag etwas Abkühlung, sodass ich dann noch einen etwas größeren Spaziergang zu den Parks im Norden und Osten der Stadt gestartet habe:












